Vielfältigkeit ist der Garant für Spitzenproduktionen

Stellungnahme des VDF zur Leitliniendiskussion der FFA

Die FFA steht bereits wie keine andere Förderung für eine Spitzenförderung, insbesondere für den wirtschaftlichen Film und für künstlerisch herausragende Filme. Die FFA regt neue Leitlinien der FFA an, um sich nach der Stärkung der kulturellen Förderung durch das BKM neu zu positionieren. Im Raum steht u.a. der Vorschlag in Zukunft nur noch Projekte zu fördern, die ein Mindestbudget in Höhe von 2,5 Mio Euro aufweisen und denen das Potential attestiert wird, mindestens 250.000 Zuschauer zu erreichen. Die Zahlen belegen jedoch, dass dies nur sehr wenige Filme ausschließen würde, so waren es 2015 und 2016 3 Filme, bzw. 6 Filme. Es ist also nicht so, dass durch Ansetzung dieser Budgetgrenze die Finanzen der FFA eine deutliche Entlastung erfahren würde. Gleichzeitig bedeuten höhere Produktionsbudgets nicht automatisch höhere Besucherzahlen. 

Anstatt als einziges Erfolgskriterium die Zuschauerzahlen in Deutschland zu betrachten, möchten wir vielmehr das Augenmerk auf die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Projekte lenken. Ein Film mit einem vergleichsweise kleinen Budget kann auch mit weniger Zuschauern wirtschaftlich erfolgreich sein (Beispiel VOR DER MORGENRÖTE), während ein Film mit einem zweistelligen Budget in den meisten Fällen nicht wirtschaftlich ist, weder für den Verleih und erst recht nicht für den Produzenten. Die Kinotauglichkeit kann man nicht an der Höhe des Budgets festmachen, sondern muss weiterhin von Fall zu Fall beurteilt werden. Dafür haben wir hoch spezialisierte Gremiumsmitglieder, denen unser Vertrauen gelten sollte.

Es gibt zahlreiche Filme mit kleinerem Budget, die hochwirtschaftlich sind (Beispiel A FANTASTIC WOMAN von Sebastian Lelio, Budget 1,7 Mio Euro, von der FFA gefördert mit 120.000 Euro, nach der Premiere auf der Berlinale Auslandsverkäufe in Höhe von 1,2 Mio Euro, Deutschlandstart in diesem Herbst via Piffl) - warum sollte man diese ausschließen? Ebenso Filme wie VICTORIA oder OH BOY. Analog gilt dies für die in den Leitlinien vorgesehene Erwartung von Mindestzuschauern.

Wir sollten vielmehr daran arbeiten, die terms of trade so verändern, dass unabhängige Produzenten wieder in die Lage versetzt werden, die Förderungen zurückzuzahlen.

Der hohen Anzahl von deutschen Kinofilmen kann man entschlossener entgegentreten, wenn man zum einen die zwingende Herausbringungspflicht für geförderte Filme abschafft und sich anderen Verwertungsmöglichkeiten öffnet als ausschließlich dem Kinostart. Zum anderen sollten die unabhängigen Produzenten in die Lage versetzt, in einem größeren Umfang als bisher an der Produktion und zusätzlich bereits an der Entwicklung von Kinoproduktionen zu verdienen. Die deutschen Produzenten sind im Vergleich zu ihren europäischen Kollegen gezwungen, durch Deckelung des Produzentenhonorars und erforderlicher Eigenmittelinvestition mehr Filme zu produzieren, um dieselbe Summe zu erwirtschaften.

Es gehört zur Natur der Kinoproduktion, dass über eine Verleihstrategie erst nach Fertigstellung der Produktion abschließend befunden werden kann. Und an dieser Stelle benötigt die Branche mehr Spielraum. Es ist wirtschaftlich nicht sinnvoll, alle produzierten Filme zu einem Kinostart zu verpflichten, wenn Verleih und Produzent der Meinung sind, dass ein Film nicht zuerst im Kino oder nicht nach den trotz der im FFG vorgesehenen Ausnahmen im Regelfall strengen Sperrfirsten ausgewertet werden sollte - und zwar für niemanden, nicht für die Kinos, nicht für die Verleiher, nicht für die Produzenten und letztlich auch nicht für die Zuschauer.

Das Ziel der Förderung sollte der „qualitative, künstlerisch anspruchsvolle, gute Film“ sein. Wenn er dann auch noch sein Publikum im In- und Ausland findet – großartig. Aber wir wissen alle, daß das Finden eines Publikums von sehr vielen Kriterien abhängt. Von der Werbekampagne, vom Umfang der P&A-Kosten, Zeitpunkt und Zeitgeist der Herausbringung, Wetter, usw. - und natürlich vom Film selbst. Also auch von Kriterien, die zum Zeitpunkt der Förderentscheidung von niemanden ernsthaft in ihrer Gänze berücksichtigt werden können.

Es gibt Genres, die als Publikumsgarant antreten. Da ist nicht zuletzt die romantische Komödie oder Family-Entertainmentfilm, nach Möglichkeit mit Starbesetzung, die die Kinos immer wieder mal zu füllen vermag. Aber es ist ein Irrglaube, dass noch mehr dieser Produktionen allein das Problem der deutschen Kinolandschaft lösen könnten. Gerade die Vielfältigkeit der Produktionen ermöglicht die Ausbildung von besonderen Ergebnissen.

Innovation ist nur mit Risiko zu erreichen. Wenn wir uns nicht in absehbarer Zeit mit einer Verarmung der inhaltlichen Kinoproduktion konfrontiert sehen wollen, dann müssen wir die Wirtschaftlichkeit mit neuen Parametern abgleichen.

In der Tat sind 250 Kinostarts von deutschen Filmen, die um die Zuschauergunst buhlen müssen, eine horrend hohe Zahl – aber nur die Vielfalt kann die Stars an die Spitze tragen, welche die deutsche Filmlandschaft wieder international und national zu Erfolg führen kann. Wenn uns aber eine innovative, zukunftsfeste Branche am Herzen liegt, dann müssen wir Experimente unterstützen, und diese mit den entsprechenden Budgets ausstatten. Das kulturelle Element darf förderpolitisch nicht faktisch verschwinden und dies nicht nur aus europarechtlichen Gründen.

Deshalb setzt sich der VDFP für Vielfalt und Wirtschaftlichkeit ein.

Gesamtvorstand: v.l.n.r. Philipp Kreuzer, Gian-Piero Ringel, Janine Jackowski, Karsten Stöter, Susa Kusche, Christian Balz, Marco Mehlitz, ,